Ein weiterer Schritt für Deutschland: Am 23. Juni 2023 hat der Bundestag eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes beschlossen, um die Implementierung von Modellprojekten zum Drug Checking in Deutschland zu ermöglichen. Allerdings existieren bereits aktive Drug-Checking-Projekte im Land. Eines dieser Projekte ist das “ALIVE”-Programm der Suchthilfe Thüringen. In der neuesten Ausgabe meines Podcasts unterhalte ich mich mit Patrick Krause von der Suchthilfe Thüringen und Frank Junger von Miraculix über ihre Erfahrungen. Den Link zur Podcast-Folge auf Ihrem bevorzugten Player finden Sie hier. In diesem Artikel habe ich eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Diskussionspunkte erstellt.

Bild freundlicherweise von Miraculix bereitgestellt.

Was ist Drug Checking?

Drug Checking bezieht sich auf die Analyse illegalisierter Substanzen. Konsumenten haben die Möglichkeit, entweder in stationären Einrichtungen oder unmittelbar auf Veranstaltungen, eine Probe ihrer Substanz zur Untersuchung auf Wirkstoffgehalt und mögliche Verunreinigungen einzureichen. Bei der “integrated drug checking”-Methode sind diese Prüfungen eingebettet in Beratungsgespräche, in denen die Ergebnisse der Tests besprochen und die Konsumenten über die gefundenen Substanzen aufgeklärt werden.

In vielen anderen europäischen Ländern existieren bereits etablierte Drug-Checking-Projekte, wie “Check It” in Wien oder “Safer Party” in der Schweiz. Mit der Implementierung von Drug Checking folgt Deutschland also keinem neuartigen Pfad, sondern stützt sich auf jahrzehntelange Erfahrungen der Nachbarländer.

Arten des Drug Checking

Es gibt verschiedene Formen des Drug Checkings, darunter das stationäre und mobile Drug Checking sowie Selbsttests:

  • Stationäres Drug Checking: Hier besteht eine feste Anlaufstelle, wie beispielsweise in einer Suchthilfe-Einrichtung. Konsumenten können ihre Substanzen zur Analyse einreichen und erhalten im Anschluss eine Beratung.
  • Mobiles Drug Checking: Diese Methode ermöglicht das Drug Checking direkt auf Veranstaltungen oder Festivals. Konsumenten haben die Möglichkeit, ihre mitgebrachten Substanzen vor Ort testen zu lassen. Im Anschluss finden kurze Beratungsgespräche statt.
  • Selbsttests: Eine weitere, immer populärer werdende Methode, sind Selbsttests. Bei dieser Variante übernehmen die Konsumenten selbst die Verantwortung und führen die Tests eigenständig durch.

Vorteile des Drug Checking

Drug Checking bietet zahlreiche Vorteile sowohl für die Nutzer als auch für die Öffentlichkeit. Es ermöglicht den Zugang zu schwer erreichbaren Gruppen wie Freizeitdrogenkonsumierende und anderen schwer zugänglichen Gemeinschaften, die oft keinen Kontakt zu herkömmlichen Suchthilfe-Angeboten haben. Durch die Identifizierung problematischer Konsummuster bietet Drug Checking eine Basis für Beratungsgespräche in Bezug auf den Konsum und kann zur Sensibilisierung und Schadensminimierung beitragen. Des Weiteren können medizinische Notfälle verhindert und langfristige gesundheitliche Schäden reduziert werden, was potenzielle Kosteneinsparungen für die Gesellschaft zur Folge hat. Eine intensivere Auseinandersetzung mit der Substanz kann zu einem bewussteren Umgang mit dem eigenen Konsum führen. Letztendlich hilft Drug Checking, den Konsum von hoch dosierten oder verunreinigten Substanzen zu reduzieren und den Nutzer:innen die Möglichkeit zu geben, informierte Entscheidungen zu treffen.

Kritik an Drug Checking

Trotz seiner Vorteile wird Drug Checking auch kritisiert. Ein häufig genannter Kritikpunkt ist, dass Drug Checking den Konsum zu stark normalisieren und Menschen zum Konsum ermutigen könnte. In der Praxis ist dies jedoch oft nicht der Fall, tatsächlich entscheiden sich viele Konsumenten gegen den Gebrauch, wenn unerwünschte Verunreinigungen in der Substanz gefunden werden. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Drug Checking Drogenhändlern eine kostenlose Qualitätskontrolle bieten könnte. Da jedoch keine Testzertifikate ausgestellt werden und die Tests mit Beratungsgesprächen verbunden sind, verliert dieses Argument schnell an Gewicht.

Schlussfolgerung

Drug Checking ist eine wichtige Methode zur Minimierung der Risiken des Konsums psychoaktiver Substanzen und zur Bereitstellung fundierter Informationen für Konsumenten über die Substanzen, die sie einnehmen. Trotz einiger rechtlicher und logistischer Herausforderungen, die noch zu bewältigen sind, birgt es großes Potenzial zur Verbesserung der Drogenpolitik und der öffentlichen Gesundheit in Deutschland.”



Links zur Folge:

sit-online.org | SiT – Suchthilfe in Thüringen

Drogerie Projekt – Drogerie Projekt (drogerie-projekt.de)

Substanztest – Mit Sicherheit selbstbestimmt – Miraculix (miraculix-lab.de)

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