Home » Psychoaktives Magazin » Drogenkonsum » Wie sehr schadet moderater Alkoholkonsum? | Dry January

Das Wichtigste in Kürze: Moderater Alkoholkonsum

✓ Moderater Alkoholkonsum gilt gesellschaftlich oft als unproblematisch, kann aber bereits spürbare Auswirkungen auf Konzentration, Stressverarbeitung und allgemeines Wohlbefinden haben.

✓ Auch wenn schwere Erkrankungen meist erst langfristig auftreten, zeigen Studien, dass schon regelmäßiger moderater Konsum mit subtilen Veränderungen im Gehirn, erhöhter Cortisol-Ausschüttung und Stimmungsschwankungen einhergehen kann.

✓ Die Effekte moderaten Alkoholkonsums sind häufig nicht eindeutig zuzuordnen, da sie sich schleichend entwickeln und im Alltag leicht anderen Ursachen zugeschrieben werden.

✓ Erfahre mehr über die Auswirkung moderaten Alkoholkonsums in der Podcastfolge 80: Dry January: Wie sehr schadet moderater Alkoholkonsum – überall wo es Podcasts gibt!


Inhalt


Der Dry January hat sich in den letzten Jahren als fester Bestandteil des Jahresanfangs etabliert. Viele Menschen starten inzwischen den Januar damit, dass sie auf Alkohol bewusst verzichten. Während einige vielleicht die Herausforderung darin nicht erkennen, stellt es für andere eine deutliche Veränderung ihres Alltags dar. Ich finde den Dry January einen spannenden Ansatz, um über allgemeinen Alkoholkonsum zu diskutieren. Inzwischen gibt es auf meinem Podcast Psychoaktiv mehrere Folgen, die sich mit dem Dry January beschäftigen. In diesem Artikel schauen wir uns besonders den moderaten Alkoholkonsum und seine möglichen Schäden an.

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Was bedeutet eigentlich moderater Alkoholkonsum?

Wenn von moderatem oder risikoarmem Alkoholkonsum die Rede ist, wird häufig auf die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO verwiesen. Diese spricht von ein bis zwei Standardgläsern pro Tag – abhängig vom biologischen Geschlecht – sowie zwei alkoholfreien Tagen pro Woche. Ein Standardglas entspricht etwa einem kleinen Bier oder einem Glas Wein.

Gleichzeitig deuten aktuelle Studien darauf hin, dass diese Grenzwerte eher hoch angesetzt sind. Dennoch bilden sie für viele Menschen die alltägliche Orientierung und gelten gesellschaftlich als „normaler“ Konsum. Genau deshalb lohnt es sich, diesen Bereich genauer zu betrachten.


Ist moderater Alkohol Konsum schädlich?

Wenn wir über das Risikoprofil von Alkohol sprechen, reden wir häufig über Krebs, Leberschaden oder auch Abhängigkeitserkrankungen – alles Langzeitnebenwirkungen. Über die Konsequenzen von moderatem Konsum wird weitestgehend geschwiegen. Während meiner Recherche für die Podcastfolge ist mir auch aufgefallen, dass auch die Studienlage hierzu überschaubar ist. Trotz allem konnte Folgendes schon festgestellt werden:

  • Beeinträchtigung der Kognitiven Funktionen: Schon moderater Alkoholkonsum baut die graue und weise Gehirnmasse ab. Dies äußert sich in Form eines schlechteren Gedächtnisses, geminderte Aufmerksamkeit und Schwierigkeiten in der Planung und Problemlösung.
  • Gesteigertes Stressempfinden: Bei regelmäßigen Alkoholkonsum kommt es zu einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung. Cortisol ist auch als unser “Stresshormon” bekannt. Bei einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung kann es zu verschiedenen Symptomen kommen wie ein geschwächtes Immunsystem, Bluthochdruck, Übergewicht, Libidoverlust etc.
  • Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens: Alkoholkonsum wirkt unter anderem auf unseren Serotonin und Endorphinhaushalt und sorgt für eine erhöhte Ausschüttung. Dies sorgt im ersten Moment für einen angenehmen Rausch, allerdings benötigt unser Körper danach Zeit um sich wieder zu erholen. Wenn man nun täglich trinkt, kann es dazu kommen, dass unser Körper die ganze Zeit damit beschäftigt ist wieder einen Ausgleich herzustellen. Dies kann sich dann in Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit äußern – wenn auch meist nur subtil.

Sie fragen sich, ob Ihr Konsum problematisch ist oder ob Sie Unterstützung brauchen? Vereinbaren Sie ein unverbindliches, kostenfreies Erstgespräch – und wir schauen gemeinsam auf Ihre Situation.


Was verändert sich nach einem Monat ohne Alkohol?

Ein Monat ohne Alkohol kann bereits spürbare Veränderungen mit sich bringen. Viele berichten von besserem Schlaf, mehr Energie, verbesserter Konzentration und einem stabileren allgemeinen Wohlbefinden. Auch Hautbild und Immunsystem können sich positiv verändern.

Wichtig ist jedoch: Bei regelmäßigem moderatem Konsum reicht ein Monat oft nicht aus, um vollständig zu regenerieren. Für eine tiefere Normalisierung körperlicher und psychischer Prozesse sind häufig mehrere Monate notwendig.


Wie kann ich den “Dry January” am Besten für mich nutzen?

Ein Dry January ist eine tolle Möglichkeit die Wichtigkeit des Alkoholkonsums im Alltag zu überprüfen. Um Veränderungen bewusst wahrzunehmen, kann man am Anfang des Monats seine allgemeine Stimmung, Schlaf, Zufriedenheit mit dem Körper, Stress und geistige Fitness auf einer Skala von 1-10 bewerten und dies wöchentlich wiederholen. Auch macht es Sinn, sein gewohntes Verhalten nicht zu verändern und auch mal nüchtern auf eine Feier oder ein Barabend zu gehen. Tipps zum nüchternen feiern findest du übrigens hier. Natürlich nur wenn man sich dies auch nüchtern zutraut. Das ermöglicht es, gewohnte Alltagsmustern nüchtern zu beobachten und neu zu bewerten. Wenn du dich mehr mit dem Thema Konsum beschäftigen möchtest, habe ich hier ein paar spannende Podcastfolgen zusammengestellt:


Psychoaktiv Podcast Playlist für den Dry January


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Quellen und weiterführende Links zur Folge:

Moderate alcohol consumption as risk factor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study | The BMJ

Associations between alcohol consumption and gray and white matter volumes in the UK Biobank | Nature Communications

Alcohol use, urinary cortisol, and heart rate variability in apparently healthy men: Evidence for impaired inhibitory control of the HPA axis in heavy drinkers (zenodo.org)

Change in moderate alcohol consumption and quality of life: evidence from 2 population-based cohorts (cmaj.ca)

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