Home » Psychoaktives Magazin » Suchttherapie » Digitale Suchtberatung – zugänglich für Alle!

Das Wichtigste in Kürze

✓ Digitale Suchtberatung senkt Schwellen: Sie hilft Menschen, die aufgrund von Distanz, fehlender Anbindung, Ängsten oder Scham keine analoge Hilfe aufsuchen können.

✓ Der private Coaching-Markt boomt – professionelle, staatlich geförderte digitale Suchtberatung ist wichtig, um eine qualitativ gesicherte Alternative zu bieten.

✓ Künstliche Intelligenz könnte die digitale Suchtberatung künftig unterstützen – etwa durch Chatbots zur Motivation oder Vermittlung passender Hilfsangebote.

✓ Erfahre mehr über digitale Suchtberatung und höre jetzt die ausführliche Podcastfolge zu dem Thema mit Melanie Wolff der Suchtkooperation NRW im Interview auf deinem Lieblingsplayer an!


DigiSucht – die neue digitale Suchtberatung in Deutschland

Seit einiger Zeit ist die digitale Suchtberatungs-Plattform „DigiSucht“ auf dem Markt. DigiSucht ist staatlich finanziert und ermöglicht (fast) bundesweit die digitale Drogenberatung! Sie kooperiert mit Beratungsstellen in ganz Deutschland. Personen, die dieses Angebot nutzen, chatten oder Videotelefonieren also mit Sozialarbeiter:innen und erfahrenen Fachkräften aus der professionellen Suchthilfe. Damit wurde in Deutschland ein großartiges Angebot geschaffen, dass die Schwellen der Versorgung von Menschen mit Problemen mit ihrem Substanzkonsum deutlich senkt.


Warum braucht es digitale Suchtberatung?

Für manche mag diese Frage absolut überflüssig erscheinen, oder sie fragen sich vielleicht: Warum wird sie erst jetzt gestellt? Dennoch möchte ich auf einige Situationen aus meiner beruflichen Praxis eingehen, in denen mir deutlich wurde, dass eine digitale Suchtberatung einfach fehlt. Wenn man wie ich schon länger in einer Großstadt lebt, kann es sein, dass man sich daran gewöhnt hat, dass man überall gut mit der Bahn hinkommt. Häufig werde ich jedoch von Podcasthörer:innen angeschrieben, die nicht wissen wie sie zu ihrer zuständigen Beratungsstelle kommen sollen. Es fehlt eine gute Bahnverbindung und vielleicht auch der Führerschein (ein häufiges Problem in der Suchthilfe). Die bloße Distanz und der unzureichende Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln kann somit eine unüberwindbare Hürde darstellen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anonymität. Viele Menschen zögern, Hilfe zu suchen, insbesondere bei Suchtberatungsstellen, weil sie nicht gesehen oder erkannt werden möchten. Die Angst vor Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung ist ein starkes Hindernis, das Menschen davon abhält, die Unterstützung zu suchen, die sie benötigen. Auch verschiedene psychische Erkrankungen wie z.B. Angsterkrankungen erschwert es Menschen enorm das Haus zu verlassen und Hilfe aufzusuchen. Ein digitales Angebot kann für viele Menschen die Schwellen senken um sich Hilfe zu holen.


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Konkurrenzfähigkeit von staatlich finanzierter Drogenberatung zum privaten Markt

Wie auch schon in anderen psychischen Bereichen gibt es auch immer mehr private Angebote von Coaches im Themenbereich der Sucht. Diese vereint unter anderem, dass es keine standardisierte Qualitätssicherung gibt (z.B. ist Coach kein geschützter Begriff und die Ausbildungen können sich massiv unterscheiden). Das macht es für Betroffene schwierig, seriöse und hilfreiche Angebote von denen zu unterschieden, die es eben nicht sind. Allerdings zeigt das wachsende Angebot auch, dass definitiv auch eine Nachfrage nach digitalen und flexiblen Angeboten da ist. Obwohl viele Fachkräfte im Gesundheitswesen vermutlich eine stärkere Regulierung des privaten Marktes begrüßen würden, bietet es sich auch an, einen alternativen Ansatz zu verfolgen, indem das offizielle Angebot gestärkt wird und man eben auch eine starke Alternative bietet. Dass es nun möglich ist von (fast) überall in Deutschland eine digitale Suchtberatung via Chat und Video-Call wahrzunehmen, ist für mich definitiv ein wichtiger Schritt seitens der professionellen Suchthilfe im digitalen Raum mitzumischen.


Unterstützt Künstliche Intelligenz bald die Suchthilfe?

Spannend ist zu sehen, dass auch über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Suchthilfe diskutiert wird. Zu diesem Zweck wurde Anfang des Jahres ein Hackathon von Nuvio – Institut für Gesundheitsgestaltung veranstaltet und durch das Bundesministerium für Gesundheit in Kooperation mit der Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. gefördert. In diesem Hackathon haben sich interdisziplinäre Teams zusammengefunden und sich unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten von KI in der Suchthilfe überlegt. Dabei gab es ganz verschiedene Ansätze wie z.B. einen ChatBot der bei helfen kann das passende Hilfsangebot zu finden bin hin zu ChatBots die erste motivierende Arbeit leisten sollen. Ob und welche Projekte am Ende umgesetzt werden, wird eine Frage der Finanzierung bleiben. Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass die Ideen nicht nur bei einem Konzept bleiben.


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