Das Wichtigste in Kürze
✓ Die WHO erkennt zwanghaftes sexuelles Verhalten als Impulskontrollstörung im ICD-11 an – das ermöglicht erstmals eine spezifische Diagnostik und Behandlung der Pornografie-Nutzungsstörung.
✓ Typisch für eine „Porno-Sucht“ sind Kontrollverlust, zunehmende Konsumdauer und -intensität sowie massive soziale und psychische Folgen wie Isolation, Leistungsabfall, sexuelle Funktionsstörungen und depressive Verstimmungen.
✓ Prävention für eine Pornografie-Nutzungssötrung ist bislang kaum etabliert – regelmäßige Selbstreflexion, gesunde Stressbewältigung und ein ausgewogener Alltag können helfen, problematischem Konsum vorzubeugen.
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Inhalt
> Entstehung und Anerkennung der Pornografie-Nutzungsstörung
> Merkmale der Pornografie-Nutzungsstörung
Entstehung und Anerkennung der Pornografie-Nutzungsstörung
Pornografie-Nutzungsstörung ist ein zunehmend bekanntes Phänomen, das immer mehr Menschen betrifft. Noch vor wenigen Jahren war diese Problematik in klinischen Settings kaum präsent. Grund hierfür war zu wenig Forschung und fehelende Anerkennung der Erkrankung. Inzwischen hat die WHO hat die Diagnose einer zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung als Impulskontrollstörung anerkannt. Dies war ein wichtiger Schritt, da zuvor betroffene Patienten lediglich unter allgemeinen Impulskontrollstörungen klassifiziert wurden. Die Anerkennung als eigenständiges Störungsbild im neuen Diagnosesystem ICD-11 erlaubt eine spezifischere Behandlung und Diagnostik.
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Merkmale der Pornografie-Nutzungsstörung
Die Pornografie-Nutzungsstörung weist viele Parallelen zu anderen Suchterkrankungen auf. Ein zentrales Merkmal ist der Kontrollverlust hinsichtlich der Dauer und Häufigkeit des Konsums. Betroffene nehmen sich beispielsweise vor, nur eine Stunde Pornografie zu konsumieren, können dies jedoch nicht einhalten. Es kommt oft zu einer zunehmenden Intensität des konsumierten Materials, was in einigen Fällen auch zu illegalen Inhalten führen kann.
Ein weiteres Kennzeichen ist die Verschiebung des Lebensmittelpunkts. Die Nutzung von Pornografie nimmt einen immer größeren Raum im Alltag ein, soziale Kontakte werden vernachlässigt, und Verpflichtungen am Arbeitsplatz sowie Freizeitaktivitäten verlieren an Bedeutung. Diese Verhaltensweisen führen zu massiven negativen Konsequenzen, sowohl im sozialen Umfeld als auch in der beruflichen Leistung und der psychischen Gesundheit.
Negative Konsequenzen bei Pornografie-Nutzungsstörung
Typische negative Folgen, die im klinischen Alltag beobachtet werden, umfassen eine veränderte Sexualität, in der normale sexuelle Aktivitäten keine Befriedigung mehr bieten. Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen und ein fehlendes Lustempfinden bei realer Sexualität sind weitere häufige Beschwerden. Das Frauenbild kann stark sexualisiert sein, was zu Partnerschaftskonflikten und einem erschwerten Aufbau von realen Beziehungen führen kann. Auch psychischosoziale Probleme wie depressive Verstimmungen, starke Selbstwertprobleme, sozialer Rückzug oder Beeinträchtigung der Arbeitsleistung sind charakteristisch.
Präventive Maßnahmen Pornografie-Nutzungsstörung
Für Erwachsene gibt es derzeit keine weit verbreiteten präventiven Programme gegen Pornografie-Nutzungsstörungen. Im Kinder- und Jugendbereich existieren schulpsychologische Konzepte, die jedoch auf Erwachsene nicht direkt übertragbar sind. Eine mögliche präventive Strategie könnte darin bestehen, regelmäßig die eigene Nutzung von Pornografie zu reflektieren und zu überprüfen, ob sie andere Bedürfnisse oder Aktivitäten im Leben verdrängt. Eine ausgeglichene Lebensweise und der Einsatz verschiedener Strategien zur Emotions- und Stressregulation können helfen, die Entwicklung einer Sucht zu verhindern.
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