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Das Wichtigste in Kürze – Tabak und Nikotin

✓ Nikotin ist eine Stimulanz. Kurzfristig kann es die Konzentration, Wachheit und emotionale Regulation verbessern.

✓ Das größte gesundheitliche Risiko entsteht nicht durch Nikotin allein, sondern durch den Verbrennungsprozess, bei dem tausende toxische und krebserregende Substanzen freigesetzt werden.

✓ Kurzfristig kann Rauchen körperliche Stressreaktionen auslösen, etwa Herzklopfen, Übelkeit, Schwindel, Unruhe oder Schlafstörungen – Effekte, die sich mit Gewöhnung abschwächen, aber nicht verschwinden.

✓ Im Psychoaktiv Podcast findest du eine ausführliche Podcastfolge zum Thema Tabak und Nikotin. Hier geht es zur Folge auf deinem Lieblingspodcast Player!


Inhalt


Wie wurde Tabak zu einer gesellschaftlichen Normalität?

Der europäische Tabakkonsum beginnt Ende des 15. Jahrhunderts mit der Kolonialisierung Amerikas. Indigene Rauchpraktiken wurden beobachtet, beschrieben und schließlich nach Europa gebracht. Innerhalb weniger Jahrzehnte verbreitete sich Tabak rasant – zunächst in Spanien und Portugal, später in ganz Europa. Bereits im 16. Jahrhundert wurde Tabak auch hier angebaut.

Trotz massiver Widerstände – inklusive kirchlicher Verbote und teils drakonischer Strafen – setzte sich Tabak langfristig durch. Die Konsumformen wandelten sich über die Jahrhunderte: Pfeife, Schnupftabak, Zigarre, Zigarette. Spätestens ab den 1950er-Jahren wurde Rauchen gesellschaftliche Norm. Auch für Frauen wurde es positiv konnotiert: als Ausdruck von Freiheit, Emanzipation und Leistungsfähigkeit.


Welche Konsumformen gibt es von Tabak?

Tabak wird heute in sehr unterschiedlichen Formen konsumiert, die sich stark im Schadenspotenzial unterscheiden:

Die Zigarette ist die bekannteste Form und gleichzeitig die schädlichste, da beim Verbrennen tausende chemische Substanzen entstehen.
Snus und Schnupftabak nehmen Nikotin über Schleimhäute auf, ohne Verbrennung. Sie belasten die Lunge nicht, sind aber keineswegs harmlos und können eigene Gesundheitsrisiken verursachen.
Die Shisha wird häufig unterschätzt: Das Wasser kühlt den Rauch, filtert ihn aber nicht.
E-Zigaretten verdampfen nikotinhaltige Liquids. Sie enthalten weniger Schadstoffe als Verbrennungszigaretten, sind aber kein risikofreies Produkt.

Entscheidend ist: Nicht nur was konsumiert wird, sondern wie konsumiert wird, beeinflusst das Risiko erheblich. Das bedeutet auch, dass im Rahmen der Harm Reduction es Sinn macht auf eine weniger schädliche Konsumart umzusteigen (z.B. von der Verbrennungs-Zigarette zur E-Zigarette) um die physische Belastung abzuschwächen, wenn eine Abstinenz aktuell noch nicht möglich ist.


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Wie wirkt Nikotin im Gehirn und warum macht es abhängig?

Nikotin wirkt, indem es den Neurotransmitter Acetylcholin imitiert. Dadurch aktiviert es unter anderem das dopaminerge Belohnungssystem sowie Stress- und Aktivierungsachsen. Kurzfristig kann Nikotin Konzentration, Wachheit und emotionale Regulation verbessern. Nikotin zählt somit zu den Stimulanzien.

Das Abhängigkeitspotenzial entsteht, weil Nikotin länger an den Rezeptoren wirkt als der körpereigene Neurotransmitter. Bei regelmäßigem Konsum passen sich die Rezeptoren an: Sie werden unempfindlicher und vermehren sich. Wird das Rauchen unterbrochen, kommt es zu einer Überreizung des Systems – typische Entzugssymptome wie Reizbarkeit, Unruhe oder Konzentrationsprobleme entstehen.

Viele als angenehm empfundene Effekte des Rauchens sind daher streng genommen keine Zusatzwirkung, sondern das kurzfristige Beenden von Entzug.


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Warum ist Rauchen gesundheitlich so riskant?

Das größte Gesundheitsrisiko entsteht nicht durch Nikotin allein, sondern durch den Verbrennungsprozess. Zigaretten enthalten heute ein hochkomplexes Gemisch aus über 7.000 chemischen Substanzen, von denen viele toxisch oder krebserregend sind.

Kurzfristig kann Nikotin körperliche Stressreaktionen auslösen: Herzfrequenz und Blutdruck steigen, es kann zu Schwindel, Übelkeit, Zittern oder Herzklopfen kommen, insbesondere bei hoher Dosis oder geringer Nikotintoleranz. Zusätzlich sind Unruhe, innere Anspannung, Schlafstörungen und eine erhöhte Reizbarkeit möglich – Effekte, die häufig unterschätzt werden, weil sie sich mit Gewöhnung zunächst abschwächen.

Langfristige Folgen des Rauchens sind unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verschiedene Krebsarten, chronische Lungenerkrankungen, Durchblutungsstörungen sowie hormonelle und reproduktive Beeinträchtigungen. Raucher:innen haben ein deutlich erhöhtes Krankheits- und Sterberisiko im Vergleich zu Nichtrauchenden.

Nikotin trägt indirekt zu diesen Risiken bei, da es Stoffwechselprozesse beeinflusst, die die Aktivierung krebserregender Substanzen begünstigen können.


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