Das Wichtigste in Kürze
✓ Khat(Catha edulis) wird traditionell durch das stundenlange Kauen der frischen Blätter konsumiert. Die Wirkung ist mild stimulierend: wachmachend, appetitzügelnd, gesprächsanregend.
✓ Jaba Juice ist die moderne, flüssige Variante. Es handelt sich meist um frisch gepressten Blattsaft oder einen haltbar gemachten Tee-Extrakt. Die Wirkung setzt schneller ein als beim Kauen.
✓ Nebenwirkungen können Unruhe, Schlafprobleme, Herzrasen, Magenbeschwerden und Appetitverlust sein. Bei regelmäßigem Konsum drohen Erschöpfung, depressive Verstimmungen und langfristig Herz-Kreislauf-Risiken.
Inhalt
> Wie wirkt Jaba Juice bzw. Khat?
> Unerwünschte Wirkungen und Risiken
> Wie gefährlich ist Jaba Juice aus suchttherapeutischer Sicht?
Was ist Khat?
Kath – in der Literatur auch als Kath, Qat, Chat oder Miraa bekannt – bezeichnet die frischen Blätter des Kathstrauchs (Catha edulis). Diese Pflanze stammt ursprünglich aus Ostafrika und der Arabischen Halbinsel. Der Konsum von Kath ist dort tief kulturell verankert. Besonders im Jemen, in Äthiopien oder Somalia gehören die sogenannten Khat-Runden zum gesellschaftlichen Alltag. Über mehrere Stunden hinweg kauen die Teilnehmenden frische Blätter, um eine milde stimulierende Wirkung zu erzielen: gesteigerte Wachheit, Appetitminderung, angeregte Gespräche, manchmal leichte Euphorie.
Die aktiven Wirkstoffe im Kath sind Cathinon und Cathin. Während das Kauen von Kath stundenlang dauert und eine eher sanfte Wirkung entfaltet, gibt es mittlerweile eine moderne Form des Konsums: Jaba Juice.
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Was ist Jaba Juice?
Jaba Juice ist gewissermaßen die „industrielle Weiterentwicklung“ des traditionellen Khat-Konsums. Statt die Blätter stundenlang zu kauen, wird aus ihnen ein trinkfertiges Produkt hergestellt. Jaba Juice spielt bislang in Deutschland keine Rolle. Berichterstattungen kommen aktuell maßgeblich aus Kenia. Wissenschaftliche Daten über Jaba Juice gibt es bislang nicht, ebenso wenig eine einheitliche Definition oder standardisierte Rezepturen. Was unter diesem Namen verkauft wird, variiert je nach Hersteller. Die Bezeichnung ist eher ein Marketingbegriff aus Kenia und Ostafrika als eine klar abgegrenzte Substanz.
Auf Grundlage von Herstellerangaben und Nutzerberichten lassen sich jedoch zwei Hauptvarianten unterscheiden:
1. Cold-Pressed Jaba Juice (frisch gepresst)
Hierbei handelt es sich um frisch gepressten Pflanzensaft aus den jungen Blättern des Kathstrauchs. Dieser Saft enthält die natürlichen Inhaltsstoffe der Pflanze:
- Cathinon und Cathin
- Polyphenole wie Flavonoide und Gerbstoffe
- Oft hinzugefügte Aromen oder Süßstoffe, da der natürliche Geschmack sehr bitter ist
Da Cathinon sehr instabil ist und sich nach wenigen Tagen zersetzt, sind diese Produkte nur kurz haltbar. Die Wirkung setzt schneller ein als beim Kauen der Blätter, weil der Wirkstoff direkt über den Verdauungstrakt aufgenommen wird. Konsumierende berichten von einer Wirkung, die einem starken Kaffee oder Koka-Tee ähnelt: kurzzeitig wachmachend, leicht euphorisierend, appetitzügelnd.
2. Extrakte oder „Distilled“ Jaba Juice (haltbar gemacht)
Daneben existieren Produkte, die eher einem pflanzlichen Teeaufguss oder Sirup ähneln. Hierbei wird der Wirkstoff durch wässrige Extraktion, Fermentation oder Destillation gewonnen. Diese Produkte sind länger haltbar, enthalten oft Aromen (Mango, Hibiskus, Zitrone) und Zuckerzusätze. Der Wirkstoffgehalt ist meist geringer, da Cathinon bei diesen Prozessen teilweise abgebaut wird und der mildere Stoff Cathin überwiegt. Solche Produkte sind eher mit Energydrinks vergleichbar und werden eher wegen Geschmack und leichter Wirkung konsumiert.
Wie wirkt Jaba Juice bzw. Khat?
Die Wirkung von Jaba Juice basiert auf denselben pharmakologischen Prinzipien wie der traditionelle Kath-Konsum:
Cathinon und Cathin fördern die Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Diese Botenstoffe sind für Antrieb, Motivation und kurzfristige Stimmungsaufhellung verantwortlich. Erwünschte Effekte sind: Wachheit, Konzentrationssteigerung, Appetitzügelung, gesteigerter Rededrang, leichte Euphorie, gesteigerte Motivation.
In Forenbeiträgen habe ich im Bezug zu Jaba Juice sowohl schon Vergleiche zu einem starken Espresso bis hin zu Kokain gefunden. Ich selbst finde Vergleiche zu anderen Substanzen immer schwierig, vor allem, wenn man so wenig darüber weiß, was genau eigentlich konsumiert wird.
Unerwünschte Wirkungen und Risiken von Jaba Juice bzw. Khat
Zu den kurzfristigen Nebenwirkungen von Jaba Juice zählen vor allem körperliche Reaktionen wie Herzrasen und ein erhöhter Blutdruck. Viele Konsumierende berichten zudem von Nervosität, innerer Unruhe oder Schlafstörungen. Auch körperliche Symptome wie Mundtrockenheit, Magenbeschwerden, Verstopfung und Appetitverlust sind möglich.
Wer Jaba Juice regelmäßig konsumiert, riskiert auf lange Sicht Symptome wie chronische Erschöpfung, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen, die insbesondere nach dem Abklingen der Wirkung auftreten können. Hinzu kommen häufig Magen-Darm-Beschwerden, ein reduziertes Körpergewicht durch anhaltenden Appetitverlust sowie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In sehr seltenen Fällen, insbesondere bei Missbrauch oder einer bestehenden psychischen Vulnerabilität, kann es auch zu psychotischen Symptomen kommen. Solche Verläufe bleiben jedoch Ausnahmen.
Wie gefährlich ist Jaba Juice aus suchttherapeutischer Sicht?
Das Suchtpotenzial von Jaba Juice würde ich anhand den Informationen, die mir vorliegen, als moderat einschätzen.
Eine körperliche Abhängigkeit wie bei Alkohol, Opiaten oder Nikotin entsteht nicht. Jedoch kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln, vor allem wenn das Getränk funktional genutzt wird: um wach, leistungsfähig oder fokussiert zu bleiben. Solche funktionalen Konsummuster ähneln dem Umgang vieler Menschen mit Koffein oder Nikotin. Wer Jaba Juice regelmäßig nutzt, um den Alltag „besser zu bewältigen“, läuft Gefahr, den eigenen Fähigkeiten weniger zuzutrauen. Das Risiko liegt also weniger im Produkt selbst als im Umgang damit.
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